Chronik Teil 1

Auf Grund des Polizeiverwaltungsgesetzes vom 1. Juli 1931 und des Gesetzes über das Feuerlöschwesen vom 15. Dezember 1933 wurde für den Umfang des Landes Preußen eine Polizeiverordnung erlassen. Diese regelte den Einsatz von Pflichtfeuerwehren. So ist in der Verordnung zu lesen, dass jedermann, der unentschuldigt vom Dienst fernblieb oder sogar bei Feueralarm nicht erschien, mit einem Zwangsgeld in Höhe von 150,– Reichsmark bestraft werden konnte.

zur Original-Polizeiverordnung vom 1. November 1934

Folgende Geschichte wurde den Chronisten zu dieser Verordnung von einem damaligen Pflichtfeuerwehrmann erzählt:
Man hatte Hochzeit gefeiert, wie lange wurde verschwiegen, im Hause war wie es üblich ist nach einer Feier, noch viel zu tun. Aufräumen usw.. Doch gerade diesen Samstag hatte der Leiter der Pflichtfeuerwehr, Schuhmachermeister Jakob Hartmann, als Übungsmorgen ausgewählt. Was blieb nun dem frisch vermählten Ehemann übrig, er musste zum Dienst, wenn nicht zu den Kosten der Hochzeit noch die Strafe der Gemeinde kommen sollte.
1987 berichtete ein fast 90-jähriger Einwohner unseres Dorfes aus seiner Jugendzeit: Die Männer der Pflichtfeuerwehr waren zur Übung bei der Dreschmaschine in Reih und Glied angetreten. Die hinterste Reihe wurde ein Opfer der Jugendlichen. Sie hatten Maikäfer gefangen und setzen Sie auf den Schultern der Männer frei. Die Tiere krabbelten hoch, so dass verschiedene nicht mehr stillstehen konnten. Der Leiter fing an zu schimpfen uns soll sich in etwa so angehört haben: “ August, no stoa endlich stell on loas dat Gezappel sin“.
Ferner war zu erfahren, dass zu einer Übung jeder seinen Ledereimer, später Zinkeimer, mitzubringen hatte. Im Laufe der Jahre wurden die Gerätschaften im Spritzenhaus aufbewahrt. Leider ist nicht mehr zu erfahren, von wem und wann das alte Spritzenhaus gebaut worden ist.
Der Anlass, aus der Pflichtfeuerwehr zu entrinnen, war ein erstes Gespräch bei einer Übung zwecks Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr Unglinghausen.
Zur ersten Versammlung traf man sich im Gemeinderaum, Schule Unglinghausen, im Frühjahr 1937. 20 Männer aus dem Ort waren bereit, den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr aufzunehmen.
Zur nächsten Besprechung waren folgende Herren eingeladen und auch anwesend:
– Bürgermeister Scheffel, Unglinghausen – Amtbrandmeister Karl Isenhardt, Dreis-Tiefenbach – Brandmeister Paul Mockenhaupt, Netphen – Brandmeister Emil Roth, Dreis-Tiefenbach – Sachbearbeiter Klaus Wickel, Amt Netphen
An diesem Abend wurde die Freiwillige Feuerwehr Unglinghausen als siebente Wehr im Amt Netphen gegründet. Ein genaues Datum ist durch Verlust der Protokolle infolge der Kriegsjahre nicht genau feststellbar. Als erster Löschzugführer wurde Siegfried Vitt ernannt, zugleich auch als Brandmeister eingesetzt. Zum Kassierer wurde Paul Kämpfer gewählt. Zu den ersten Übungsstunden erschien aus Dreis-Tiefenbach Emil Roth zur Ausbildung der jungen Wehr.
An Gerätschaften standen zur Verfügung:
– eine Druckpumpe (Gespannzug) – Ledereimer (später Zinkeimer) – Hanfschläuche – eine Ausziehleiter
Folgende Männer waren bereit, den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr Unglinghausen zu tun (Gruppenbild der Gründer aus dem Jahre 1938):

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Stehend von links: Siegfried Vitt, Gerhard Vitt, Willi Klein, Fritz Klöckner, Wilhelm Klein, Jakob Wagner, Fritz Kämpfer, Walter Dirlenbach, Werner Roth, Otto Vitt, Ernst Hoffmann, Wilhelm Schmick kniend: Helmut Roth, Paul Kämpfer, Karl Schröder, August Wagener, Gustav Pfeil liegend: Erwin Roth, Otto Bruch, August Roth

Die Löschmannschaft gliedert sich auf in:
– Steigermannschaft – Pumpenmannschaft – Eimermannschaft – Ordnungsmannschaft
Die sechs Steiger mussten zwei Mann auch noch abstellen für die Schlauchleitung. Die Ordnungsmannschaft bestand aus zwei Mann. Zur Eimermannschaft wurden auch die neugierigen Zuschauer herangezogen, wenn das Wasser über längere Strecken herangeschafft werden musste.
Zur Ausrüstung sei noch gesagt, dass die gesamte Wehr erst nach einem Jahr ihre Uniformen erhielt. Der Gemeinde Etat war auch früher schon immer erschöpft bzw. vollständig leer.
Chronik Teil 2